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Hannes Jaenicke

 
Stefanie Brendl taucht mit Tigerhai. Quelle: Jimmy Hall
Stefanie Brendl mit Tigerhai "Princess"

Hannes Jaenicke: Im Einsatz für Haie

"Wir dürfen nie vergessen, dass Haie Raubtiere sind"

Taucherin Stefanie Brendl über ihre Tauchgänge mit Haien

Stefanie Brendel betreibt das Hawaii Shark Encounters, wo Touristen Haie von einem Käfig aus beobachten können. Sie selbst taucht immer wieder ohne solch einen Schutz und hat auch mit Hannes Jaenicke und seinem Filmteam einen Tauchgang ohne Käfig gewagt. Im ZDFonline-Interview spricht sie über ihre besonderen Taucherlebnisse mit großen Haien und wie schnell solche Begegnungen lebensgefährlich werden können.

 
 
 
Stefanie Brendl - Porträt. Quelle: Jimmy Hall
Jimmy Hall
Stefanie Brendl

ZDFonline: Nehmen Sie auch regelmäßig Besucher auf Tauchgänge ohne Käfig mit, so wie Sie es mit Hannes Jaenicke und dem Filmteam gemacht haben?
Brendl:
Das ist etwas, was ich nur besonderen Gästen zutraue und auch nur dann, wenn alles perfekt abläuft. Sogar die erfahrensten Taucher können im Voraus nicht wissen, wie gewaltig der Eindruck wirklich sein wird. Die Tour hört sich so einfach an, aber letztendlich sind wenige Leute darauf vorbereitet, sich mit 15 oder 20 Haien im Freien zu bewegen. Oft ist man in allen Richtungen von Haien umzingelt. Die Tiere kommen sehr nah an den Taucher heran und können einen auch mal mit der Nase oder dem Körper anstoßen. Daran muss man sich erst mal gewöhnen.

 

Auch beim Tauchgang mit Hannes hab ich nichts im voraus garantiert. Wenn er sich falsch verhalten hätte, oder mir Anzeichen gegeben hätte, dass er unberechenbar reagieren würde, verkrampft geschwommen wäre, sich nervös verhalten oder meine Anleitungen ignoriert hätte, dann hätte er auch im Käfig bleiben müssen. Aber er war ein Mustertaucher und hat sich total konzentriert. Die Haie haben ihn von Anfang an ignoriert, weil er sich ruhig und sicher gezeigt hat. Danach konnten wir unseren Tauchgang locker genießen.

 
Hannes Jaenicke und Stefanie Brendl tauchen mit Haien. Quelle: Sven Bender
Sven Bender
Hannes Jaenicke und Stefanie Brendel tauchen mit Haien

Nervöse Taucher locken Haie an

ZDFonline: Wie stellen sie bei Tauchgängen ohne Käfig sicher, dass nichts passiert?
Brendl:
Ich muss jeden Tag individuell beurteilen, weil es darauf ankommt, wie viele Haie an dem Tag erscheinen, wie stark die Strömung, wie gut die Sicht ist und vieles mehr. Bei starker Strömung und Wellengang entsteht viel Aufregung im Wasser. Die Haie müssen sich stärker anstrengen, um direkt in der Nähe des Bootes zu bleiben. Das Planschen, das Rütteln und die Geräusche machen die Tiere nervös und sie gehen aggressiver miteinander um als sonst. Ich nehme auch nur eine Person mit, damit ich sie immer im Auge behalten, und wenn es sein muss, beschützen kann. Wenn mehre Menschen dabei sind, dann kommt jemand von der Besatzung als Sicherheits-Taucher mit. Ich bleibe anfangs ganz nah neben der Person und beobachte, wie die Haie reagieren und treffe Entscheidungen dementsprechend. Ein verkrampfter und nervöser Mensch wird sofort näher von den Haien betrachtet, weil er mit schnellem Herzschlag, hektisch schwimmt und das Muskelzucken den Haien wie ein verletztes Opfer erscheint. Das erweckt die Neugierde der Tiere, heißt aber trotzdem nicht, dass sie sofort angreifen würden. Sie kommen eben näher, um zu sehen, zu riechen und vielleicht mit der Nase anzustoßen. Ich versuche das ein bisschen zu kontrollieren, damit der Taucher nicht die Nerven verliert und sich beruhigen kann.

 

Deshalb sind die ersten paar Minuten immer besonders spannend. Ich kann mich in solchen Situationen auf keine Diskussionen einlassen. Meinem Wort oder Signal im Wasser muss absolut gefolgt werden. Wenn es Probleme gibt, dann wird sofort abgebrochen. Ich tauche meistens mit einem stumpfen Stück Bambus oder einem Gehäuse in der Hand, womit ich die Haie blockieren kann oder mit dem ich auch mal einen kleinen Stoß versetzen kann, wenn einer zu frech wird. Das passiert aber äußerst selten.

 
Stefanie Brendl mit Tigerhai und Kamera. Quelle: Jimmy Hall
Jimmy Hall
Nichts für Anfänger: Begegnung mit dem Tigerhai

Zitat

„Es ist eindeutig sehr riskant mit großen Haien ohne Käfig zu tauchen. Die Voraussetzungen verlangen jahrelange praktische Erfahrung mit Haien, ein professionelles Team im Hintergrund und Experten, die sich mit der Umgebung, den Bedingungen und sogar mit den individuellen Haien genau auskennen. “

Stefanie Brendl:

Klare Sicht im Wasser ist wichtig

ZDFonline: Wie können Sie sicher sein, dass ein Hai nicht doch einmal zumindest einen Probebiss wagt?
Brendel:
Haie sind vorsichtige Raubtiere, die alle Umstände abwägen müssen, um sich selbst zu schützen. Einen Menschen betrachten sie mit Respekt, er wird selten als Mahlzeit angesehen, sondern eher als ein anderer Räuber, der gefährlich sein könnte. Ein Probebiss passiert dann, wenn ein Hai schon entschieden hat, dass ein Tier oder Gegenstand wie mögliche Beute aussieht. Man kann sehen, wann Haie auf Jagd- oder Territorialverhalten umschalten. Wenn man den Unterschied nicht kennt, dann sollte man sich nicht in ihrem Umfeld aufhalten. Bevor ein Probebiss passiert, sieht man schon viele Anzeichen, dass die Situation schwierig wird.

 

ZDF.online: Woran erkennt man, dass ein Hai gefährlich werden könnte?
Brendel: Der Hai würde schneller und unruhiger schwimmen. Die Sinne sind eindeutig auf die Person fixiert. Am einfachsten kann man das mit dem Verhalten von Hunden vergleichen. Wenn sie etwas sehen, was sie höchst interessiert, kommen sie seitlich näher, kreisen herum und ziehen sich zurück. Aber die Augen, Ohren und Nase bleiben in voller Konzentration in Richtung der Person, die das interesse geweckt hat. So verhalten sich auch Haie. Natürlich merkt man das nicht, wenn man sie nicht gut sehen kann. Drum ist klare Sicht im Wasser so wichtig. Oft sind Haie sehr an Kameragehäusen interessiert, wegen der elektronischen Ausstrahlung und der Geräusche. Dann schwimmen sie jedoch meist sehr langsam und neugierig heran. Man könnte fast sagen sie "schnüffeln" am Gegenstand. Wenn man dann ruhig hält öffnen sie oft den Mund und beißen ins Gehäuse. Man kann sie in dem Fall ganz leicht anstoßen oder das Gehäuse einfach ein wenig zurückziehen damit sie es nicht mit den Zähnen verkratzen.

Es bleibt gefährlich

Aber natürlich bleibt es für alle, die so etwas nachmachen wollten, festzuhalten: Es ist eindeutig sehr riskant mit großen Haien ohne Käfig zu tauchen. Die Voraussetzungen verlangen jahrelange praktische Erfahrung mit Haien, ein professionelles Team im Hintergrund und Experten, die sich mit der Umgebung, den Bedingungen und sogar mit den individuellen Haien genau auskennen.